Die Triebwagenhalle Velten kurz vorgestellt:

Inbetriebnahme: 1927
Außerbetriebnahme: 20.09.1983
Abstellkapazität: 10 Vollzüge (ein Vollzug S-Bahn  8 Wagen)
Architekt: Richard Brademann
Denkmalschutz: Ja
Heutige Nutzung: Fa. Stadler
Inhalt dieser Seite: 
1904 bis 1927 - die drei Schuppen des Bahnhofs Velten
Die Veltener Triebwagenhalle
Das Stellwerk Vta und das Beamtenwohnhaus
Die S-Bahn-Ära 1927 bis 1983
Die Nachnutzung 1983 bis heute  

 

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Das Eröffnungsbild ist diesmal keine historische Ansicht. Zur Abwechslung wird der Beitrag durch eine Luftaufnahme eingeleitet. Ich danke Herrn Holger Mombrei, Webmaster von www.fotos-aus-der-luft.de herzlichst für die freundliche Genehmigung, das Foto veröffentlichen zu dürfen. Weitere atemberaubende Luftaufnahmen können Sie sich auf der Webseite von Holger Mombrei ansehen.
 

1904 bis 1927 - die drei Schuppen des Bahnhofs Velten

 
Velten war seit der Eröffnung 1893 Durchgangsbahnhof auf der Kremmener Bahn. Das sollte sich ab dem 01. Oktober 1904 ändern: Velten bekam Anschluß an die Osthavelländische Kreisbahn Velten - Bötzow - Nauen. Die OHKB errrichtete neben dem Bahnhof der Kremmener Bahn einen eigenen Bahnsteig nebst Anlagen. Somit erhielt der Bf Velten den ersten Lokschuppen für die Unterhaltung der Lokomotiven der OHKB. Der Lokschuppen der OHKB wurde im September 2000 abgerissen. Ab 1903 verfolgte die Königliche Eisenbahn Direktion Berlin (KED) den Ausbau der Strecke Schönholz - Velten zur Hauptbahn. Der Vorortverkehr sollte bis Velten ausgedehnt werden. Grund war unter anderem die Ansiedlung der Industrie in Hennigsdorf, die einen Anstieg des Personen- und Güterverkehrs erwarten ließ. Laut einem Erlass des Ministers für öffentliche Arbeiten vom 11. November 1907 wurde die KED ermächtigt, Verhandlungen wegen der Kostenbeiträge der Gemeinden für die Einführung des Vorortverkehrs zu führen. Die Dorfgemeinde Velten sollte 68400 Mark Anteil zahlen für ein Bahnmeisterhaus, ein Dienstwohngebäude, einen Lokschuppen mit Übernachtungsgebäude und eine neue Wärterbude 13. [2]In einem Entwurfsheft der KED Berlin zu der Einrichtung des Hauptbahnbetriebes auf der Strecke Schönholz-Velten heißt es unter Punkt 5: "Auf Bahnhof Velten werden Vorortzüge kehren und übernachten... Hierzu sind gemäß Anlage E folgende Ergänzungen geplant: c. Erbauung eines Lokomotivschuppens nebst Anbau und Zuführungsgleisen zur Unterbringung der Lokomotiven und des Personals für zwei übernachtende Vorortzüge."[3] Der Lokschuppen wurde folglich zweiständig gebaut. Hier übernachteten die Maschinen der Gattung T12. Genauere Angaben liegen bis dato nicht vor, da Velten lange Zeit keinen Status als Lokstation oder Lokbahnhof besaß und somit nicht in amtlichen Unterlagen der DR erschien. Erst 1951 wurde er als dem BW Gesundbrunnen unterstehende Lokbahnhof aufgeführt.[4] Auch dieser Lokschuppen existiert nicht mehr. Der Lokschuppen wurde im Jahr 2000 abgerissen. Auf den unteren Zeichnungen können Sie die Lage und das Aussehen des Lokschuppens der KED Berlin ersehen. Veröffentlichung der Zeichnungen mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Velten.
 

Lokschuppen 1927Lokschuppen 1927

 

Die Veltener Triebwagenhalle

 

Mit dem zweigleisigen Ausbau erfolgte auch die Elektrifizierung der Strecke. Am Endbahnhof der elektrisch betriebenen Strecke hatte die RBD Berlin einen dreigleisigen Triebwagen- und Werkstattschuppen erbauen lassen. Mit weiteren fünf Abstellgleisen konnten in Velten insgesamt zehn Vollzüge abgestellt werden. Architekt des Triebwagenschuppens war Richard Brademann. Man kann ihn mit Fug und Recht als den Hausarchitekten der Deutschen Reichsbahn der zwanziger und dreißiger Jahre nennen. Eine ausführlichere Beschreibung des Architekten erfolgt im Beitrag über die Stromversorgung der Berliner S-Bahn. Mit der Planung des Triebwagenschuppens wurde 1926 begonnen, siehe dazu die u.a. Zeichnungen von Richard Brademann, die für die Baugenehmigung an die damalige Dorfgemeinde Velten eingereicht wurden. Die dritte Zeichnung ist ein Ausriß eines Absteckplans des Geländes für den Triebwagenschuppen von Januar 1926. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.

Zeichnung des Triebwagenschuppens von Richard Brademanns September 1926. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.Zeichnung des Triebwagenschuppens von Richard Brademanns September 1926. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.

Grundriss des Triebwagenschuppens von Richard Brademann von September 1926. Laut diesem Plan waren für den Schuppen 48 Stellen vorgesehen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.Grundriss des Triebwagenschuppens von Richard Brademann von September 1926. Laut diesem Plan waren für den Schuppen 48 Stellen vorgesehen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.

Auszug aus einem Absteckplan für das Gelände des Triebwagenschuppens von Januar 1926. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.Auszug aus einem Absteckplan für das Gelände des Triebwagenschuppens von Januar 1926. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Stadtverwaltung Velten.

Die Veltener Triebwagenhalle 1928. Aufnahme Slg Lars MolzbergerDie Veltener Triebwagenhalle 1928. Aufnahme Slg Lars Molzberger

Das Stellwerk Vta und das Beamtenwohnhaus

Zusätzlich zu der Schuppenanlage projektierte Richard Brademann ein "Dienstwohngebäude für 4 Beamte". Die Eingänge zu je zwei Wohneinheiten wurden rechts und links zur Front des Hauses angelegt. Aus den bis jetzt von mir ausgewerteten Akten geht leider nicht hervor, welche Funktion diese vier Beamten in der Triebwagenhalle ausübten. Es könnte sich um die Stellwerkspersonale für das Stellwerk Vta gehandelt haben.Das Beamtenwohnhaus steht wie der Triebwagenschuppen unter Denkmalschutz. Das Stellwerk Vta (Velten Abstellbahnhof), 1927 nach einen Entwurf von Richard Brademann gebaut, bediente mit Stand 1938 11 Weichen. Die Rangierfahrten waren durch Fahrstraßen gesichert. Das Stellwerk wurde  bis 1985 als Ausbildungsstellwerk genutzt.

 Zeichnung für das Beamtenwohnhaus der Triiebwagenhalle Velten. Zeichnung Stadtarchiv VeltenZeichnung für das Beamtenwohnhaus der Triiebwagenhalle Velten. Zeichnung Stadtarchiv VeltenDas Beamtenwohhaus heute. Aufnahme von Lars Molzberger am 4. Juli 2010 Das Beamtenwohhaus heute. Aufnahme von Lars Molzberger am 4. Juli 2010

 Das Stellwerk Vta an der Einfahrt zur Triebwagenhalle. Aufnahme von Lars Molzberger am 28. April 2008Das Stellwerk Vta an der Einfahrt zur Triebwagenhalle. Aufnahme von Lars Molzberger am 28. April 2008

Die S-Bahn-Ära 1927 bis 1983

Im Triebwagenschuppen waren in den Anfangsjahren die späteren Baureihen ET 168 und ET 169 beheimatet. Später kamen auch hier die Baureihen ET 165 zum Einsatz. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, sollte Berlin für die Großmachtträume Adolf Hitlers zur Hauptstadt seines Großreiches "Germania" umgebaut werden. Von diesen Plänen war auch die Kremmener Bahn respektive die Triebwagenhalle Velten betroffen. An den neuen Mittelbahnsteigen in Velten sollten ausschließlich Nahverkehrszüge kehren, die S-Bahn sollte in der Triebwagenhalle kehren. 1943 sah eine Planung sogar den Ausbau zu einem S-Bahn-Abstellbahnhof vor, damit künfitg 39 Vollzüge auf dem Gelände der Triebwagenhalle abgestellt werden können. Die Kremmener Bahn hat von den Germania-Plänen glücklicherweise nichts abbekommen.[5] Der Triebwagenschuppen unterstand ab Eröffnung dem BW Stettiner Bahnhof. Nach Ende des zweiten Weltkriegs war der Veltener Triebwagenschuppen der einzige, der unbeschadet die Kampfhandlungen überstand. Er gehörte 1945 zu den wenigen völlig intakten Einrichtungen des S-Bahn-Netzes. Leider nutzte das der RBD Berlin bis November 1945 gar nichts, denn die Kremmener Bahn war durch die zerstörten Havelbrücken vom restlichen Netz abgetrennt. Nach dem Mauerbau wurde zwischen Velten und Hennigsdorf ein S-Bahn Inselbetrieb eingerichtet. Dank des Triebwagenschuppen konnte man die meisten Instandhaltungsarbeiten selbst vornehmen und musste die Züge nicht erst per Überführungsfahrt in andere S-Betriebswerkstätten bringen. Der Triebwagenschuppen unterstand zuletzt den S-BW Nordbahnhof und Friedrichsfelde.

 

 

Die Nachnutzung 1983 bis heute

Nach der Schließung am 20.09.1983 wurde der Triebwagenschuppen dem BW Wustermark unterstellt. Auf dem Gelände wurden Baumaschinen und der Veltener Traditionszug abgestellt. Im Februar 1997 stellte die Deutsche Bahn den Betrieb im Schuppen endgültig ein. 1997 vermietete die Deutsche Bahn AG die Halle an Adtranz, die dort Schienenfahrzeuge abstellte. Seit April 2002 gehört das Gelände der Fa. Stadler, die es von der Deutschen Bahn AG erwarb. Zwischenzeitlich stellte die Denkmalschutzbehörde des Landes Brandenburg die Triebwagenhalle unter Denkmalschutz. Die Deutsche Bahn AG protestierte zwar, legte aber nicht fristgerecht Widerspruch ein. Als Grund für die Aufnahme in den Denkmalschutz wurde folgendes aufgeführt:

 

Die Besonderheit der Veltener Triebwagenhalle besteht für die Denkmalschützer darin, dass sie extra für den S-Bahnbetrieb gebaut worden ist. Die meisten anderen Werkstätten und Depots an den während der 20er-Jahre elektrifizierten Berliner S-Bahnstrecken entstanden nämlich durch den Umbau ehemaliger Dampflokschuppen. Der Architekt habe mit der Veltener Triebwagenhalle Maßstäbe gesetzt, befanden die Denkmalschützer. Noch in den 60er-Jahren war sie Vorbild für die Grundrissgestaltung einer neuen S-Bahnhalle im Bahnbetriebswerk Berlin-Lichtenberg.[6]

 

Das Gelände heute. Foto 04. Juli 2010 Lars Molzberger[7]Das Gelände heute. Foto 04. Juli 2010 Lars Molzberger[7]

 

 Quellen und weitere Links

[1]Denkmaliste Oberhavel des Landes Brandenburg Stand der Denkmalliste 30.12.2009
[2,3,5] Peter Bley, Die Kremmener Bahn, Verlag B. Neddermeyer 2004 Seite 45,47 und 82
[4] Reimer, Michael/Winkler, Dirk, Berliner Bahnbetriebswerke, Geramond 2001. Seite 168
[6] Märkische Allgemeine Zeitung vom 06. September 2002: Im Denkmal wird gearbeitet Kreis stellt S-Bahndepot unter Schutz / Protest der Bahn nutzte nichts. Artikel von Ulrich Bergt
Die Triebwagenhalle Velten bei Stadtschnellbahn.de